Boiling Point - Road to Hell
Category : Games
Published by Marc Büchel on 22.06.05
Sonne, Palmen, blaue Gewässer und Sombrerohüte... Wer nun in Ferienerinnerungen schwelgt, sollte die Idylle lieber mit Vorsicht geniessen. Denn von dem südamerikanischen Flair bleibt im Shooter "Boiling Point" nicht viel übrig, als mehrere Maschinengewehre einen Konvoi unweit einer Strasse unter Beschuss nehmen.

Natürlich verbringt euer Protagonist in "Boiling Point" ("Siedepunkt"), der Ex-Fremdenlegionär Saul Myers nicht seine Ferien in dem fiktiven südamerikanischen Staat, sondern ist auf der Suche nach Lisa Meyer, der entführten Tochter unseres Helden. Doch als wenn der Bürgerkrieg nicht schon genug wäre, rücken ihnen dazu noch sechs verschiedene Fraktionen auf die virtuelle Pelle. Die Auswahl reicht von Indios über das amerikanische CIA bis hin zu der Mafia oder den Rebellen.

Doch dies muss nicht unbedingt einen Nachteil für euch darstellen, schliesslich ist jedes Mittel recht, um an Informationen zu kommen. Bestes Beispiel bietet obiger Schusswechsel eilst du dem Regierungskonvoi zu Hilfe steigst du in der Gunst der Uniformierten, wohingegen die Rebellen dich dann bei der nächsten Gelegenheit um die virtuelle Ecke bringen wollen.
Egal welcher Fraktion ihr nicht gerade grün seid, könnt ihr nach getätigtem Kampf in aller Ruhe die Taschen der Personen, die nicht das Glück hatten sich in Sicherheit zu bringen, nach nützlichen Gegenständen zu durchsuchen, oder einfach nur die Waffen der Gegner einsammeln. Nicht, dass das schon alles wäre, unnütze Gegenstände werden nicht einfach liegen gelassen, sondern werden ebenfalls eingepackt und bei der nächsten Gelegenheit an den Mann gebracht - dem ausgeklügelten Handelssystem sei Dank.


Jobs bei verschiedenen Fraktionen
Doch nicht nur durch zufällige Ereignisse wie beim oben erwähnten Überfall könnt Ihr Ansehen bei den Fraktionen einheimsen. Denn ihr könnt ganz nach Belieben Aufträge der verschiedenen Lager annehmen.


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Bei dieser Methode ist es aber auch unausweichlich, dass ihr euch nebst Freunden auch Feinde macht, denn ein Auftragsmord oder der Einbruch in ein gut bewachtes Camp stösst nicht gerade auf das Wohlwollen einer anderen Fraktion. Ganz wie in "GTA" darf man also Bomben legen und unliebsame Gegner meucheln. Apropos Verwandtschaft: den smarten Glatzkopf Mr.Myers gibt es nicht nur in der virtuellen Welt. Arnold Vosloo auch bekannt als "Imhotep" in "Die Mumie" wie auch im Sequel "Die Mumie kehrt zurück", stellte Mr.Myers sein Gesicht zur Verfügung.



Lernfähiger Fremdenlegionär Myers
Natürlich müsst ihr euch nicht per pedes durch den Urwald kämpfen. Autos und LKWs sorgen dafür dass ihr schnell auf dem Landweg vorankommt, aber auch auf dem Seeweg oder in luftigen Höhen mit Flugzeugen und Helikoptern kann man seine gewünschte Destination bestehend aus drei grossen Städten und unzähligen Dörfern ansteuern. Sollte aber alles mal in die Hose gehen, dürft ihr immer noch mit schweren Gerät wie einem Panzer auffahren.

Doch es will Vorsicht geboten sein, wer sich in den Stahlkoloss schwingt, kann sicher sein, dass die Reise am nächsten Baum zu endet, genau wie der Reisende sicher sein kann, dass ein Ausflug in luftige Höhen spätestens an der nächsten Palme ein jähes Ende findet.
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Fahrstunden und Waffenkunde
Der Grund dafür ist, dass ihr Protagonist den Umgang mit den Vehikeln erst lernen muss. Ja, richtig gelesen. Der Umgang mit den Transportmitteln will geübt sein, je mehr ihr beispielsweise mit dem Auto rumkurvt, desto besser werdet ihr darin und so steht einer rasanten Verfolgungsjagd nichts mehr im Wege. Dasselbe gilt auch für die Waffen. Trefft ihr anfänglich nicht einmal ein Scheunentor aus nächster Nähe mit der AK47, so könnt ihr nach einigem Training damit ganze Heerscharen das virtuelle Lichtlein ausblasen.


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Doch nicht nur Menschen wollen euch ans Leder, sondern auch allerlei Getier, welches im Dschungel kreucht und fleucht. Insbesondere dann, wenn sich der virtuelle Tag dem Ende neigt und sich die Dunkelheit in auch jede noch so kleine Ritze des Dschungels zwängt. Deshalb ist es ratsam, sein Transportmittel bei Nacht möglichst nicht zu verlassen, oder gleich in einer bewohnten Siedlung zu bleiben, um dem Getier aber auch Banditen zu entgehen.


Auch für Pazifisten
Doch das Spielziel kann auch ohne Gewalt erreicht werden, Pazifisten werden diese Option lieben, denn jeder NPC geht einem geregelten Tagesablauf nach und steht nicht einfach in einer Ecke und wartet von euch angequatscht zu werden. Wer Informationen will, kann natürlich obige Variante wählen. Aber ein echter Mann von Schrot und Korn, nimmt letzteres nach einem Kampf gerne zu sich. Aber übertreibt es nicht mit dem Alkoholkonsum, denn beim übermässigen Genuss des Gebräus schlägt dies dem guten Saul Myers auf den Magen bzw. auf den Sehsinn. Torkelnd und mit eingeschränkter Sicht, könnt ihr euch dann aus dem Staub machen. Den Gebrauch eines Fahrzeugs sollte man in diesem Zustand unterlassen...
Natürlich kann man mit ein paar Freibier auch die Zunge des einen oder anderen Informanten lösen, Man sollte aber auch diese Möglichkeit mit Vorsicht geniessen, denn beim regelmässigen Gang zum Zapfhahn, wird euer Charakter schnell alkoholabhängig und kommt er wieder zu Kräften wenn er sich ein Bier gegönnt hat.


Ego-Shooter mit vielen Freiheiten
Wie ihr also in Boiling Point - Road to Hell", vorgeht liegt ganz in euerer Hand. Ein sog. "verskillen" gibt es in "BPRTH" nicht. Euer Charakter verbessert die Fertigkeiten, die ihr am meisten braucht. Logisch, wer will denn da schon das Messer zücken, wenn er mit dem Snipergewehr ein wahrlich meisterhafter Scharfschütze ist. Kämpfernaturen à la Rambo tragen einfach immer genug Gepäck bei sich, um die Kraft und die Kondition zu verbessern, schliesslich will man ja auch zwei Gewehre tragen können.


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Egoshooter-Elemente stehen klar im Vordergrund, aber auch Rollenspiel Elementen bedienen sich die Entwickler, neben Charakterwerten spendierte man Mr. Myers auch Inventar und Karte. Ein Teamspieler ist Mr. Myers aber nicht, warum auch es kann ja schliesslich nur einen geben. Spannende Duelle mit den Kumpels im Urwald fallen also ins Wasser. Der Code für den Mehrspielermodus ist zwar bereits im Spiel enthalten, die Option ist aber in der Verkaufversion nicht enthalten. Ein Lichtschimmer am Horizont ist aber in Sichtweite, die Entwickler denken bereits darüber nach, die Option per Patch nachzuliefern.

Löblich ist auch der ins Blut gehende Soundtrack, die südamerikanische Musik lässt eine solche Ferienstimmung aufkommen, dass ihr meint, ihr befändet euch wirklich im sonnigen Zipfel Amerikas. Die Titelmelodie könnt ihr übrigens hier gratis anhören.

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Fazit:
Rumcruisen wie in "GTA", meucheln wie in "HalfLife", Bewegungsfreiheit wie in "Stalker" und Rollenspielelemente wie in "Morrowind". Wenn die Jungs von Deep Shadows doch nur noch die Grafik ein wenig aufbohrt hätten. Denn die Schönheitskönigin im FPS-Genre ist "BPRTH" nicht gerade, aber auch aus einem "hässlichen" Entlein wird bekanntlich einmal ein schöner Schwan. Zeitweiseschaut ihr da schön blöd aus der Wäsche, wenn das Aussehen eures Auftraggebers identisch mit der auszuschaltenden Zielperson ist. Trotzdem holt man sich mit "Boiling Point" einen spannenden Genre-Mix ins Haus.

+ spielerische Freiheit
+ 625km² grosses Terrain
+ gelungener Genremix
+ keine Ladezeiten während des Spiels

- grafische Präsentation
- wenige Gegnermodelle
- Hardwarehunger trotz Kümmergrafik


Hersteller: Atari
Veröffentlichung: erhältlich
Spielspass: 82 %
Freigabe: ab 16 Jahren